Contact-Tracing mit dem Google & Apple-Ansatz: Allheilmittel oder Placebo für die Pandemie oder die Büchse der Pandora für Macht und Profit der Unternehmen

Ein Update des Berichts "Sinn und Unsinn der Corona-Warn-App"

Die Coronavirus-Pandemie hat die Welt seit Monaten im Griff. Die Zahl der Infektionen steigt und die zweite Welle, sie rollt. Dies macht eine zuverlässige und effiziente Kontaktverfolgung notwendiger denn je. In vielen Ländern wurden bereits digitale Apps zur Kontaktverfolgung eingeführt, um die manuelle Kontaktverfolgung zu unterstützen und damit Infektionsketten zu unterbrechen sowie die weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen. Je nachdem wie wichtig die Privatsphäre sowie der Datenschutz in den einzelnen Ländern sind, kommen dabei unterschiedliche Ansätze zum Tragen. Diese lassen sich in zwei Kategorien einteilen: ein zentrales oder dezentrales Kontaktverfolgungs-system. Dabei spielt es auch eine Rolle, welche Art von Informationen über den sogenannten sozialen Graphen der Nutzer*innen an die den Backend-Server betreibende Organisation weitergegeben werden. Die zentralen Systeme werden diesbezüglich stärker kritisiert, weil sie zu viele Informationen durchsickern lassen.

Während noch kontrovers diskutiert wurde, ob eine dezentrale oder zentrale Lösung besser sei, entdeckten Google und Apple – für uns etwas überraschend – ihre beispiellose Freundschaft und einigten sich auf ihr ganz spezielles dezentrales System zur Ermittlung von Kontakten. Die dafür entwickelte Schnittstelle, die Exposure Notification API (genannt GAEN), integrierten die beide Hersteller zudem zügig in ihre mobilen Betriebssysteme. Obwohl die Dokumentation der Schnittstelle als solche offen ist, wird sie stark von der Unternehmenspolitik der beiden Datenriesen kontrolliert: In jedem Land darf die Regierung nur einer einzigen nationalen Gesundheitsorganisation den Zugang zu dieser Schnittstelle gewähren.

Mit dem Ziel eine kritische Auseinandersetzung zu initiieren und die wissenschaftliche Forschung voranzutreiben, wollen wir in diesem Bericht verschiedene Aspekte und Probleme der auf der Google- und Apple-Technologie basierenden Tracing-Apps am Beispiel der Corona-Warn-App beleuchten. Neben den Ergebnissen unserer eigenen Untersuchungen sind auch internationale Studien und die neuesten Medienberichte eingeflossen.

Seit mehreren Monaten haben international renommierte Forscher*innen ebenso wie wir in unterschiedlichen Studien darauf hingewiesen, dass die bisher in einigen Ländern eingesetzte Technologie von Apple und Google grundlegende Sicherheits- und Datenschutzprobleme hat. Diese beiden Aspekte können nicht nur die Integrität unseres Gesundheitssystems untergraben, sondern im schlimmsten Fall die nationale Sicherheit gefährden. Deshalb sollten diese Schwachstellen so schnell wie möglich durch ein umfassendes Technologie-Update behoben werden, um das Vertrauen in die Kontaktverfolgungssysteme zu stärken. Darüber hinaus brauchen wir eine digitale Infrastruktur und genauere Informationen, die es uns ermöglichen, die Wirksamkeit der dezentralen Kontaktverfolgung zu bewerten. Nicht zuletzt werfen wir die Frage auf, warum nur eine nationale Tracing-App eingesetzt wird, obwohl bereits innovative Ideen für Unternehmen, Schulen und Indoor-Veranstaltungen verwirklicht wurden und eingesetzt werden.

Klicken Sie hier für den vollständigen Bericht.

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